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Lars und die Welt

Manche stecken es besser weg

Posted on 14/10/2018 by larsdittrich

Wenn wir zu wenig schlafen, leiden sofort unsere geistigen Fähigkeiten. Etwa die Reaktionszeit oder unsere geistige Flexibilität, also z.B. die Fähigkeit, eine alte Strategie loszulassen, wenn sich die Regeln ändern.

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Wie sich solche Effekte anhäufen, wenn wir jeden Tag nur ein bisschen zu wenig schlafen (summiert sich auf), ob wir das merken (nö, wir denken wir wären voll da), oder ob sich das vermeiden lässt, wenn wir einen Teil unseres Schlafes tagsüber als Nickerchen machen (nö – wer 8 h braucht, braucht 8 h, egal wie er sie verteilt), wird ausführlich erforscht. Einer, der da ganz vorne dabei ist, ist Professor Dinges aus Pennsylvania. Eine seltsame Sache ist ihm dabei aufgefallen. Manche Menschen stecken Schlafmangel viel besser weg. In einem Vortrag hat er erzählt, dass die meisten irgendwann so dermaßen durch den Wind sind, dass sie fragen, ob da vielleicht irgendwelche Narkosegase in den Raum geleitet würden, während sie versuchen, den Reaktionstest zu machen. Aber manche Teilnehmer sagen: „Klar, ich bin schon müde, aber was die da erzählen, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen“. Und das sieht man auch an ihrer Performance in den Tests.
Wohlgemerkt liegt dieser Unterschied nicht am Schlafbedürfnis selbst. In diesen Studien wurden nämlich nur Menschen getestet, die genau 8 h schlafen, wenn man sie in Ruhe lässt. Schlafbedürfnis war also bei allen gleich hoch. Sie haben es nur unterschiedlich gut weggesteckt, wenn sie nicht ausgeschlafen hatten.

Wie kommt das? Auf der Suche nach den Ursachen wurden Polymorphhismen gefunden, kleine Unterschiede in Genen. Ein Uhren-Gen (Per3) kann seine Finger im Spiel haben, ebenso der Müdemacher Adenosin und auch ein anderer Müdemacher, nämlich TNF-alpha.
Jetzt gibt es weitere tolle Ergebnisse aus einer neuen Studie aus Washinton State.
Sie haben Teilnehmer entweder normal schlafen lassen oder 38 h wach gehalten. Dann mussten sie am Computer einen Test machen, bei dem man unter anderem messen kann, ob die Aufmerksamkeit noch stimmt. Es erschienen immer einzelne Buchstaben. Jedesmal, wenn auf ein A ein X folgte, mussten sie den linken Knopf drücken, ansonsten immer den rechten. Mitten im Test wurden aber die Regeln geändert, so dass man jetzt nach einer anderen Buchstabenkombination suchen musste. So konnten die Wissenschaftler testen, wie gut die Probanden noch mit Regeländerungen umgehen können, also wie flexibel sie noch sind.
Wie zu erwarten waren sowohl Aufmerksamkeit als auch Flexibilität viel schlechter, wenn die Leute nicht geschlafen hatten. Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass ein Polymorphismus im D2 Dopaminrezeptor beeinflusst, wie gut oder schlecht die Teilnehmer mit dem Schlafmangel noch waren.
Zack, neuer Polymorphismus gefunden, der mit Schlafresilienz zusammenhängt! Und auch noch einer, der ein neues System ins Spiel bringt, nämlich Dopamin. Dopamin hängt mit Belohnung und Sucht zusammen, aber je nach Hirngebiet auch mit Sachen wie geistiger Flexibilität.
Und da war auch der eigentlicher Kracher der Studie: Der Polymorphismus beeinflusste, wie sehr sich Schlafmangel auf geistige Flexibilität auswirkte, aber nicht, wie sehr die Aufmerksamkeit betroffen war!
Dieses Ergebnis spricht deutlich gegen die vorherrschende Meinung, dass alle geistigen Effekte von Schlafmangel nur auf die schlechtere Aufmerksamkeit zurückzuführen sind. Schließlich braucht man Aufmerksamkeit ja für alles mögliche, auch dafür, sich an neue Regeln anzupassen. Ein Polymorphismus, der nur das eine aber nicht das andere beeinflusst, zeigt aber, dass der Mechanismus, mit dem Schlafmangel diese geistigen Fähigkeiten verschlechtert, ein anderer sein muss.

Ich persönlich hätte gerne die statistischen Vergleiche etwas anders angestellt, um diese Frage zu beantworten, aber dafür hätte man vermutlich mehr Teilnehmer als die 49 der Studie gebraucht. Deswegen verbuche ich diese Frage (ist der Effekt von Schlafmangel auf Aufmerksamkeit und Flexibilität wirklich ein anderer?) auch mit dieser Studie noch nicht als vollends geklärt. Aber sie haben das schon insgesamt sehr elegant gemacht. Und halt einen neuen Polymorphismus gefunden, der beeinflusst, wie gut jemand Schlafmangel wegsteckt.

Was da natürlich noch gar nicht mit beantwortet ist: Gilt das auch für die langfristigen gesundheitlichen Folgen von Schlafmangel? Es spricht viel dafür, dass die geistigen Beeinträchtigungen nicht direkt durch den Schlafmangel ausgelöst werden (z.B. weil uns die Energie dazu fehlen würde), sondern dass sie eher eine Reaktion des Hirns sind, die verhindern soll, dass wir irgendwas da oben durchbrutzeln. Stecken die Leute, denen Schlafmangel zumindest geistig nicht so viel macht, das wirklich besser weg? Oder geht ihr Gehirn einfach „Augen zu und durch“, nach dem Motto live fast, die young? Das können wir heute leider überhaupt nicht überprüfen, weil uns die Möglichkeiten fehlen, diese gesundheitlichen Auswirkungen in so einem Experiment wirklich zu messen. Wie bei vielen anderen Forschungsthemen bräuchten wir dafür erst mal einen ordentlichen Biomarker. Also eine Messmöglichkeit, mit der man Auswirkungen sieht, die sich noch lange nicht auf die Gesundheit niederschlagen, weil sie viel zu klein sind.

Zu dem Foto: Dieses Forschungsgebiet ist natürlich total relevant für viele Berufsgruppen, unter anderem Ärzte. Wenn Du operierst und sich währenddessen irgendetwas ändert – z.B. die Herzaktivität des Patienten – wie gut kannst Du dann diese neue Info aufnehmen und gegebenenfalls die Strategie ändern, die du gerade fährst? Die Fehler, die dabei entstehen, können lebensbedrohlich sein, und sind ganz andere, als reine Aufmerksamkeitsfehler.

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