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World Sleep 2017-2: Wie schliefen die ersten Menschen?

Posted on 12/03/2018 by larsdittrich

Den Tag eröffnet hat um 8:00 morgens Jerry Siegel. Der ist immer ein bisschen Teufels Advokat im Schlaffeld. Hat während seiner Karriere so einige falsche Vorstellungen widerlegt, was ja genau so wichtig für ein Feld ist, wie gute vorzuschlagen. Sein neuestes Thema ist der Schlaf in Jäger/Sammler Kulturen.

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Malerei der San, 1000-2000 Jahre alt. Photo by Lukas Kaffer (Super.lukas). CC BY-SA 3.0

 

Schlafforscher neigen dazu, zu sagen, dass wir seit der Erfindung der Glühbirne viel weniger schlafen und das ja nicht gut sein könne, weil nicht natürlich. Er gibt zu bedenken, dass zur Einführung der Glühbirne noch gar keine richtige Schlafforschung gemacht wurde und wir deswegen gar nicht so sicher wissen, wie viel die Leute früher geschlafen haben. Außerdem wäre kurz vor Glühbirne ja auch nicht so wirklich natürlich. Wenn schon, müsse man in eine Zeit zurückgehen, wo Menschen noch in den Bedingungen gelebt haben, an die sie evolutiv angepasst sind.
Und das kann man heute noch machen. Nämlich mit Jäger/Sammler Kulturen. Am besten in den Tropen, wo der Mensch sich entwickelt hat. Jerry untersuchte drei Kulturen. Eine in Ostafrika, eine in Westafrika, eine in Südamerika. Mein gepostetes Bild is von den San, eins von den afrikanischen Völkern.
Interessanter weise sind die afrikanischen San genetisch unterschiedlicher untereinander, als z.B. ein Europäer mit einem Asiaten. Das liegt daran, dass alle nicht-Afrikaner auf eine relativ kleine Gruppe zurückgeht, die seinerzeit aus Afrika ausgewandert ist und von da den Rest der Welt bevölkert hat.
Deswegen sind die Südamerikaner auch so interessant. Da sind Menschen ungefähr als letztes angekommen. Von der Verwandschaft her sind seine drei Gruppen also sehr divers. Die Lebensbedingungen sind aber sehr ähnlich, und zwar so wie bei unseren Vorfahren im tropischen Afrika. Im Einklang mit der Natur, wie man heute so schön sagt. Kein künstliches Licht und sonst auch keine anderen neumodischen Annehmlichkeiten.
Er hat alle mit einem Armband ausgestattet, das Bewegungen und Licht verfolgt. Daran konnte er sehen, wann die teilnehmenden Personen sich viel oder wenig bewegen und wann sie schlafen.
Hauptergebnis war, dass die alle nur 6-7 Stunden schlafen. So wenig wie wir mit unserem Licht. Außerdem bleiben die alle nach Sonnenuntergang noch eine ganze Weile wach. Kochen, erzählen sich was, bereiten die Jagdwaffen für morgen vor. Die Vorstellung, dass längere Dunkelheit automatisch längeren Schlaf bedeutet, ist also so nicht richtig.
Sie stehen auch oft deutlich vor Sonnenaufgang auf. Der Faktor scheint da die Temperatur gewesen zu sein. Zumindest die San schlafen einfach unter freiem Himmel auf Fellen. Wenn es da kalt wird, wacht man halt auf. Das ist eine kleine Weile vor Sonnenaufgang. Weil wir in unseren Wohnungen konstante Temperaturen haben, vergessen wir diesen Faktor schnell (auch Forscher, die an „natürlichem“ Schlaf interessiert sind) und schauen immer nur aufs Licht.
Licht kriegen diese Völker übrigens sehr viel, besonders morgens. Mittags nicht so, weil sie sich dann im Schatten aufhalten.

Was ich Jerrys Argumentation entgegenhalte, ist, dass natürlich nicht das gleiche ist wie gesund. Die Evolution macht ständig trade offs. Z.B. „Ja, mit diesem Verhalten brennt er schnell durch, aber solange vorher genug Nachkommen gezeugt werden, überwiegen die Vorteile“. Man darf also nicht denken, nur weil es natürlich ist, wäre es das gesündeste für uns, das genau so zu machen. Auf der anderen Seite ist es toll, dass er das Natürlichkeitsargument von anderen demontiert hat, das noch nicht mal auf belastbaren Daten beruhte. Also, dass wir besonders viel Schlafen müssten, weil das natürlich sei.
Wieviel Schlaf jetzt am besten ist, muss noch geklärt werden. In Korrelationen sehen wir, dass Leute, die 7-8 Stunden schlafen, am gesündesten sind. Allerdings gibt es halt Leute, die von sich aus deutlich länger oder kürzer schlafen. Ob es für sie gut, schlecht, oder egal ist, die Schlaflänge absichtlich richtung „Optimum“ zu verändern, ist nicht wirklich klar (allerdings ist klar, dass man als normaler 8 h-Mensch nicht regelmäßig deutlich weniger schlafen sollte, wie viele es leider machen).

Zur Einleitung hat er ein paar Worte zu Michel Jouvet gesagt, der letzte Woche gestorben ist. Einer der ganz großen der Schlafforschung. Aserinski und Kleitmann (und Dement) haben REM-Schlaf entdeckt und damit die moderne Schlafforschung begründet. Jouvet hat erkannt, dass REM-Schlaf trotz der starken Hirnaktivität nicht einfach besonders leichter Schlaf ist, sondern unsere Muskeln da so entspannt sind wie niemals sonst. Außerdem erkannte er durch Tierversuche, dass diese Muskelentspannung durch die Pons, einem Teil des Hirnstamms reguliert wird. Hat z.B. eine Katze da eine Beschädigung, fängt sie im Schlaf Mäuse, lebt also anscheinend ihre Träume aus. Jerry Siegel betonte, wie Jouvets Forschung den Grundstein dafür legte, dass wir verstehen was in Narkolepsie los ist, und was es mit REM-Behavior Disorder auf sich hat, das Jahrzehnte später entdeckt wurde. Da wusste man dann sofort, wo im Hirn die Beschädigung sein muss. Ein Beispiel dafür, wie Grundlagenforschung später wichtig für die Medizin wird.
Dann gab es für Jouvet einen Moment des Schweigens, bevor es mit Jerrys Vortrag losging. Fand ich gut.

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